Schwedengroßfahrt

Nach einer mückigen Nacht wachen wir um ca. 11 Uhr in unserer „Windschutzscheibe“ auf. Es hat endlich geregnet und die Luft hat sich abgekühlt. Wir frühstücken das Übliche: Knäckebrötchen mit Hallon Sylt aus der „Shampoo-flasche“. Nachdem wir gepackt haben wandern wir los. Wir haben nicht mehr viel Wasser und wollen deshalb so schnell wie möglich unsere Flaschen auffüllen. Doch an den ersten Häusern, an denen wir vorbei kommen ist niemand, abgesehen von ein paar Hunden. Also müssen wir weiter gehen. Auch bei dem nächsten Haus ist niemand. Doch nach einiger Zeit sehen wir ein sympathisches Haus mit Kinderspielzeug, Wäsche auf der Leine und einem Auto. Ein Zeichen dafür, dass Menschen zu Hause sind. Die Frau, die in diesem Haus wohnt, kommt zum Tor, nimmt unsere Flaschen entgegen und füllt sie auf. Wir bedanken uns und es geht weiter. Einige Zeit später treffen wir auf eine Bank und machen dort eine Pause in der Sonne. Isi geht ein Stück weiter in den Schatten. Heute ist das perfekte Fahrtenwetter: Die Sonne scheint, aber weil auch etwas Wind weht ist es nicht zu warm. Wir gehen weiter und beschließen, bei nächster Gelegenheit Mittag zu essen. So ergibt es sich, dass wir am Rand eines Waldweges sitzen und Knäckebrötchen mit Hallon Sylt essen. Als wir fertig mit essen sind und gerade alles wieder fest verstaut haben, fängt es an zu tröpfeln. Wir wollen auf Nummer sicher gehen, packen unsere Ponchos aus und verkleiden uns als Gumpels bzw. die Hexe vom Wurzelwald. Da passt es gut, dass wir einige hundert Meter weiter an einem kleinen Hexenhäuschen vorbeikommen. Man kann sogar die Tür aufmachen und das machen wir auch. Die Hütte ist vollgestopft mit irgendwelchen Holzstücken. Wir machen noch ein paar Hexenbilder und gehen dann weiter. Es hat schon wieder aufgehört zu regnen, wir packen die Ponchos aber nicht wieder ein, sondern legen sie hinten auf unsere Rucksäcke, weil wir zu faul sind. Faul sein ist wunderschön. Wir haben geplant, bei der nächsten „Windschutzscheibe“ Kartoffelsuppe zu kochen, weil da eine Feuerstelle ist. Dafür brauchen wir aber noch Wasser. Wir haben gestern leider den Deckel unseres Wassersacks verloren und können ihn deswegen nicht richtig auffüllen. Als wir in Näs, dem letzten „Dorf“ (zwei Häuser oder so) vor unserer Windschutzscheibe ankommen, haben wir noch zwei Liter Wasser, die wir in den Wassersack reinfüllen, den ich dann vorsichtig trage. Die drei, jetzt leeren Flaschen füllen Isi und Elise in dem Bauernhof auf. Die Leute sind laut ihrer Aussage ziemlich nett. Sie haben den Mädchen gesagt, dass sie jederzeit wieder zum Wasser auffüllen kommen können und, dass unser Wanderweg bald über eine  Kuhwiese führt, auf der auch zurzeit wirklich  Kühe wohnen. Mit vollen Flaschen machen wir uns weiter auf den Weg. Und tatsächlich: Der Weg führt über eine Kuhwiese und die Kühe sind auch da, und zwar direkt da, wo wir lang wollen. Eine Kuh kommt interessiert noch näher zu unserem Zaunübergang. Sie blutet ein bisschen an der Nase. Sehr gefährlich! Isi und Elise sind beeindruckt und trauen sich erst nicht über den Zaun zu gehen. Also muss ich zuerst rüber und die Mädchen gegen die Kühe „verteidigen“. Nun sind auch Isi und Elise auf der anderen Seite und die Kühe sind eigentlich ganz harmlos. Sie gucken nur dumm. Endlich haben wir es geschafft. Wir sind sicher auf der anderen Seite!  Jetzt müssen wir nicht mehr lange gehen, bis wir an unserer Windschutzscheibe ankommen. Sie ist schön gelegen: An einem See, der sympathischer aussieht, als der, an dem wir heute Morgen noch waren. Elise macht das Feuer an, denn die beiden Mädchen haben sich überlegt, heute zu kochen. Jeder kriegt einen Liter Wasser in sein Kochgeschirr und dann geht’s ans schnippeln: jeder drei Kartoffeln, etwas mehr als eine Möhre und Elise und ich noch Würstchen.  Während das Wasser auf dem Feuer warm wird, erkunde ich die Umgebung. Es gibt ein komisches Kunstwerk mit roten Stäben und alten Gegenständen aus Bauernhöfen. Ich gehe zurück zu den anderen und mittlerweile kocht das Wasser, sodass wir nun Brühewürfel, Kartoffeln, Möhren (und Würstchen) ins Wasser schmeißen. Während das ganze Gebräu kocht, singen wir, damit es sich auch wirklich gelohnt hat, dass wir die Gitarre mitgenommen haben, doch vorher müssen Elise und ich uns erstmal die Fingernägel knipsen, damit wir wieder besser Gitarre spielen können. Die Kartoffelsuppe ist fertig und nachdem wir mit  1/3 Brühewürfel pro Person nachgewürzt haben schmeckt die Kartoffelsuppe super. Wir probieren unsere Suppen gegenseitig, schließlich muss ja die Qualität getestet werden. Als wir fertig sind mit Essen, spülen wir unser Geschirr, löschen das Feuer, packen unsere Sachen ein und gehen weiter. Unser Ziel ist heute eine „Windschutzscheibe“ kurz vor Ingatorp. Wir wandern zunächst weiter durch den Wald und unsere Stimmung ist ziemlich gut. Ist ja auch kein Wunder nach der genialen Kartoffelsuppe. Es wird langsam dämmrig und wir kommen an zwei verlassenen Häusern vorbei. Irgendwie ist das etwas gruselig; die Häuser haben zwar noch Gardinen aber sie sind total eingewachsen und vor der Eingangstür des einen Hauses steht ein nicht kleiner Baum. Wir gehen weiter in Richtung Ingatorp. Kurz vor unserem Ziel ist nochmal ein steiler Berg und als wir oben angekommen sind, sind wir sehr kaputt und müssen erstmal eine Packung Kekse vernichten. Eigentlich haben wir ja schon Abend gegessen… Aber es ist auch schon 22:18 Uhr, als wir oben angekommen sind. Neben unserer Windschutzscheibe ist ein Lift, der aber momentan nicht in Betrieb zu sein scheint. Wir legen uns in unsere Windschutzscheibe und „schlafen mit Aussicht“ schnell ein.

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